Sonnenfinsternis und Esspapier - Weltliteratur und Lokales aus Coesfeld

Dr. Thomas Pago am 21. Juni zu Gast beim „Rendezvous mit Buch“ in der Stadtbücherei

Hier sehen Sie die zahlreichen Besucher beim Rendezvous mit Buch. ©Stadtbücherei Coesfeld

©Stadtbücherei Coesfeld

Wie kann es passieren, dass aus Coesfelds Bauernschaft Gaupel heraus eine bereichernde Nische in der großen Bücherwelt besetzt wird? Nun, der Förderverein der Stadtbücherei war neugierig und lud alle interessierten Leserinnen und Leser zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung in die Stadtbücherei ein, um antworten aus erster Hand zu erhalten. Von akustischer Folkmusik des Coesfelder Trios Rosbeg umrahmt, berichtete Thomas Pago im Gespräch gut zwei Stunden über seine abwechslungsreiche Zeit als Verleger

 

Pago erzählte vor mehr als 30 Gästen von den Anfängen im Jahr 2006, dem mühsamen Weg in einer labyrinthischen Branche, manchen Schwierigkeiten und überraschenden Erfolgen. Er berichtete über detektivische Recherchen nach verschollenen Manuskripten und vielleicht noch bestehenden Urheberrechten. So wollte er mit „Sonnenfinsternis“ unbedingt eines der wichtigsten und erfolgreichsten Bücher der 1930er Jahre neu herausbringen. Jedoch galt das deutsche Originalmanuskript des Autors Arthur Koestler als verschollen. Und Rückübersetzungen aus dem Englischen oder Französischen kamen für Pago nicht in Frage. Damals wurde das Werk über die Gräuel eines diktatorischen Regimes zum Welterfolg und in dreißig Sprachen übersetzt. Die Suche nach dem deutschen Original führte nach Moskau, in die Schweiz, in heimische  Archive und Meldeämter. Schließlich wurde man fündig, eine literarische Sensation. 2018 konnte „Sonnenfinsternis“ in dem Coesfelder Verlag neu erscheinen, und zwar mit dem Vermerk „nach dem deutschen Originalmanuskript“ auf dem Cover. So wie Thomas Pago die Entdeckungsgeschichte dieses Romans den Gästen erzählt, könnte man daraus bestimmt auch einen eigenen Roman verfassen.   

 

Eine andere, ebenso überraschende Geschichte ist die, wie der Elsinor Verlag einen Platz in der Welt der Kriminalliteratur eroberte und seitdem alljährlich mindestens zwei klassische Thriller und Spionagekrimis auf den Markt bringt. Mit Martin Compart konnte Pago einen der besten Kenner der Spannungsliteratur als Herausgeber seiner Krimis gewinnen. Der Lohn: Die Thriller des Elsinor Verlages landen auf der wichtigen Deutschen Krimibestenliste immer wieder weit oben.

 

Thomas Pago brachte aber auch Literatur mit lokalen und regionalen Bezügen mit in die Stadtbücherei. Zum Programm seines Elsinor Verlag gehören  bekanntermaßen auch die Werke von Petra Fietzek und Georg Veith. Gerade  erschienen ist „Die Stunde des Seepferdchens“ von Stephan Krass, der in Coesfeld aufgewachsen ist. In seinem Erinnerungsbuche gibt es deutliche Bezüge zu seiner Heimat, ohne dass die Kreisstadt namentlich genannt wird. Michael Kaup vom Förderverein trug einzelne Passagen aus dem Buch vor. Stephan krass´ Erinnerungen gehen zurück bis in die 1960er Jahre. Krass erzählt über Esspapier für ein paar Pfennige aus einer kleinen Drogerie zwischen Kindergarten und Kirche am Markt und verwunderliche homöopathische Ratschläge zur Abwehr von Strahlen aus dem Fernseher. Beides hat eindeutig Coesfelder Bezug – und wurde auch spontan von einer Zuhörerin bestätigt.

 

Der Abend mit Thomas Pago und dem Elsinor Verlag war launig, spannend, unterhaltsam und vor allem auch Dank der Musik von Dorothee Stennecken (Flöten), Georg Hallekamp (Gitarre) und Stefan Nierychlo (Bandoneon, Gitarre)  wunderbar gelungen. Der Wunsch nach mehr wurde in anschließenden Gesprächen in der Bücherei laut. Man darf gespannt sein.

 
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